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PROFESSOR DUGINS AVATARE (4). Soft Power à la russe und die vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz


Im Sommer 2014 besuchte ich Moskau auf Einladung von Konstantin Malofeev. Ich wurde im prunkvollen Hauptsitz seines Unternehmens „Marshall Capital Partners“ empfangen. Ich überreichte ihm ein Exemplar meines Buches in russischer Sprache, und der Oligarch sagte, er habe viel Gutes über mich gehört. Bei dem Gespräch waren noch mehrere andere Personen anwesend; sie kamen und gingen unauffällig und musterten mich dabei genau. Ich fühlte mich, als wäre ich im US-Außenministerium, wo ich schon mehrmals gewesen war. Ich hatte den Eindruck, wie ein Insekt unter einer Lupe untersucht zu werden; jede Geste, jede Nuance meiner Stimme wurde akribisch beobachtet. Ich hingegen war vollkommen entspannt, denn ich hatte nichts zu verlangen und nichts zu verbergen. Mein Interesse galt ausschließlich dem Gedankenaustausch und der Zusammenarbeit mit den akademischen und kulturellen Kreisen verschiedener Länder, die dieselben traditionellen und systemkritischen Werte teilten. Das Gespräch verlief elegant und angenehm, war aber letztendlich völlig ergebnislos und ohne jeglichen Ausgang.

28. Februar — 1. März 2015. Das Jean-Parvulesco-Kolloquium in Bukarest. Es war die erste Veranstaltung, die dem französischsprachigen rumänischen Mystiker und Philosophen gewidmet war, der in Rumänien so gut wie unbekannt ist. Derjenige, der mich über diese Veranstaltung informierte, war der Italiener Claudio Mutti, der meine Artikel und Übersetzungen regelmäßig auf einer von ihm betreuten mehrsprachigen Website veröffentlicht hatte. Ich kannte ihn zudem dank einer Reihe von Büchern, die auf Rumänisch erschienen waren und sich mit symbolträchtigen Persönlichkeiten der rumänischen Rechten in der Zwischenkriegszeit befassten. Bei dieser Veranstaltung traf ich unter anderem Natalia Melentyieva, die Ehefrau von Professor Dugin, die einen Doktortitel in Philosophie besitzt; Constantin Parvulesco, einen Schriftsteller und Journalisten von europäischem Rang und Sohn des mystischen Denkers, dessen man bei der Veranstaltung gedachte; dessen Sohn Stanislas Parvulesco; sowie Laurent James, einen Physikforscher und großen Kenner von Parvulescos Werk. Ich habe alle auf dieser Kulturveranstaltung auf Französisch gehaltenen Reden transkribiert und sie vollständig auf der Website http://www.flux.md/ veröffentlicht, die 2022 auf Anordnung des Direktors des moldauischen Informations- und Sicherheitsdienstes gesperrt wurde. Auf Wunsch von Natalia Melentyieva habe ich alle Reden ins Französische übersetzt, da sie nur Englisch beherrschte.

22. März 2015. In Sankt Petersburg findet im Luxushotel "Holiday Inn Moskovskie Vorota", eine internationale Konferenz hinter verschlossenen Türen statt, bei der weder Presse noch Mobiltelefone zugelassen sind. Die Veranstaltung wurde zum Gedenken an den 200. Jahrestag des Heiligen Bündnisses von 1815 organisiert, das von Zar Nikolaus I. initiiert wurde und Rußland, Preußen und Österreich zusammenführte. Ich gehörte zu den mehreren Dutzend Gästen, Intellektuellen aus verschiedenen Ländern. Die Kosten wurden vom Oligarchen Konstantin Malofeev übernommen, der die Veranstaltung gemeinsam mit Aleksandr Dugin moderierte. Im Mittelpunkt der Reden standen traditionelle Werte, die Idee einer gemeinsamen christlichen Zivilisation sowie die Ablehnung der amerikanischen Hegemonie und der Einmischung der USA in europäische Angelegenheiten, insbesondere in die der Ukraine.

Während dieser Veranstaltung lernte ich Professor Dugins Tochter Daria kennen, mit der ich eine aufrichtige Freundschaft schloß. Außerdem hatte ich die Ehre, beim offiziellen Abendessen am selben Tisch zu sitzen wie der renommierte Professor Valentin Katasonov, Doktor der Wirtschaftswissenschaften und orthodoxer Denker, Autor Dutzender Bücher, sowie mit Oleg Platonov, einem Forscher der russischen und westlichen Zivilisationen, Spezialisten für die Ideologie des Judentums und der Freimaurerei, Doktor der Wirtschaftswissenschaften und Autor einer beeindruckenden Anzahl von Büchern.

Von allen Reden stach für mich die kurze Ansprache des französischen Rechtsanwalts Elie Hatem besonders hervor, der über eine Promotion in internationalem öffentlichem Recht und Verfassungsrecht verfügt, Mitglied des Exekutivkomitees der „Action Française“ ist, zu den führenden Persönlichkeiten des Nationalen Front in seiner früheren Form gehörte und ein enger Vertrauter von Jean-Marie Le Pen ist. Der entscheidende Satz, der die beiden Moderatoren der Veranstaltung, Malofeev und Dugin, sprachlos machte, lautete wie folgt: "Liebe Freunde, alles, was hier gesagt wird, ist absolut wahr. Aber um erfolgreich zu sein, müssen wir wissen, wer unser Feind ist, wie Sun Tzu in „Die Kunst des Krieges“ sagte. Und unser Feind ist die jüdische Mafia. Um dies zu verstehen, genügt es, drei Bücher zu lesen: 'Die Protokolle der Weisen von Zion', 'Der internationale Jude: Das größte Problem der Welt' von Henry Ford und 'Die Kontroverse um Zion' von Douglas Reed."

Konstantin Malofeev, sichtlich beunruhigt durch Elie Hatems Einwurf, bestand darauf, die Diskussion wieder auf eine gemäßigtere und vagere Ebene zu lenken: "Liebe Freunde, ich würde vorschlagen, daß wir solche Formulierungen vermeiden. Es wäre besser, allgemeine Begriffe wie 'Feinde' oder 'Gegner' zu verwenden. Das wäre für uns viel klüger und angemessener." Während der Pause ging ich auf Elie Hatem zu, schüttelte ihm die Hand und sagte ihm, daß ich seine Sichtweise voll und ganz teile. Seitdem sind wir befreundet.

Bei diesem Treffen lernte ich auch den georgischen Geschäftsmann Levan Vasadze kennen, einen Mann von wahrhaft bemerkenswerter Gelehrsamkeit, Vater von acht Kindern und ein großer georgischer Patriot. Er war zudem einer der führenden Köpfe des Weltkongresses der Familien. Er stand Malofeev und Dugin nahe und hatte zahlreiche geschäftliche Interessen in Rußland. Mehrere Jahre lang glaubte ich, einen weiteren wahren Freund gewonnen zu haben. Doch auch er war gezwungen, jeglichen Kontakt zu mir abzubrechen, wie im Folgenden deutlich werden wird.

April 2016. Ich reiste als Journalist nach Moskau. Mit Hilfe des Teams von Tsargrad nahm ich eine Reihe von TV-Beiträgen für meine Sendung „MegaFon“ auf. Dugin ist dort Chefredakteur und wies das technische Team des Senders an, mich zu unterstützen. Im Laufe weniger Tage gelang es mir, Interviews mit den folgenden prominenten Persönlichkeiten des russischen öffentlichen Lebens aufzunehmen: den Ökonomen Valentin Katasonov, Michail Chasin und Michail Deleaghin, dem Journalisten Maxim Schewtschenko, Alexej Komow, Vertreter des Weltkongresses der Familien und Experte für Heimunterricht; dem Soziologen Alexandr Bovdunow sowie natürlich Alexandr Dugin. Die Sendungen wurden auf NTV Moldawien ausgestrahlt.

16.—17. Mai 2016. Tiflis. Der 10. Weltkongress der Familien. Eine großartige Veranstaltung, an der Tausende von Delegierten aus verschiedenen Ländern teilnahmen und die mit Unterstützung der Georgisch-Orthodoxen Kirche stattfand. Hauptorganisator war der konservative Geschäftsmann Levan Vasadze. Der Kongress diente als dynamische internationale Plattform für traditionalistische Kräfte, die sich gegen die Sodomisierung der Gesellschaft, den Kulturmarxismus und die Perversion der öffentlichen Moral wehren. Während dieser Veranstaltung traf ich den französischen traditionalistischen Aktivisten Fabrice Sorlin, den ich zuvor bereits beim Treffen 2015 in St. Petersburg kennengelernt hatte. Seine Rede beeindruckte mich, und seitdem verbindet uns eine enge und herzliche Freundschaft. Er hatte sich mit seiner Familie in Moskau niedergelassen, nachdem er Frankreich aufgrund der Verfolgung durch die antinationalen Behörden des Landes verlassen hatte. Mehrere Jahre lang führten wir einen regen Briefwechsel; ich schickte ihm meine Artikel auf Französisch, die er auf der vom Oligarchen Konstantin Malofeev finanzierten Website veröffentlichte. Am 16. und 17. September nahm er am 12. Weltkongress der Familien teil, der unter der Schirmherrschaft des damaligen Präsidenten Igor Dodon in Chișinău stattfand. Ich hatte mich geweigert, an der Organisation dieser Veranstaltung mitzuwirken, doch Fabrice besuchte mich zu Hause, und wir führten ein wahrhaft brüderliches Gespräch. Einige Jahre später trafen wir uns dann in Moskau, wohin ich auf Einladung eines Studienkollegen mit meiner Frau gereist war. Doch irgendwann brach auch er jeglichen Kontakt zu mir ab.

Fabrice ist Vater von zehn Kindern; ich habe auch seine Eltern in Paris kennengelernt. Es sind bewundernswerte Menschen, traditionalistische Katholiken. Ich verurteile ihn nicht dafür, daß er sich dem Lobgesang auf Putins Regime anschließen muß. Vielleicht hat er keine Wahl, vielleicht glaubt er aber auch aufrichtig an den Mythos von Putin als Retter traditioneller Werte und Bollwerk gegen den satanischen Globalismus. Mir bleibt nur zu bedauern, daß ich einen Freund verloren habe, der mir sehr am Herzen lag. Ich empfinde ein Gefühl der Verlegenheit, wenn ich ihn zusammen mit anderen französischen Auswanderern in Moskau sehe, wie er Propaganda für ein Regime verbreitet, das durch und durch antinational und den okkulten Kräften der globalen Governance völlig unterworfen ist.

7. Juni 2016. Moskau. Russia Today organisiert ein internationales Forum für alternative Medien. An diesem Morgen traf ich Alain Soral, einen französischen Soziologen, Schriftsteller und Journalisten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits mehrere seiner Bücher gelesen und verfolgte schon seit geraumer Zeit seine Videoauftritte im Internet. Ich stieg in den Bus ein, der alle Teilnehmer abholte, die in verschiedenen Hotels untergebracht waren, und sah Alain Soral auf dem Rücksitz sitzen, flankiert von einem jungen Mann und einer jungen Frau, die ihm zur Seite standen und aus dem Russischen übersetzten. Ich stellte mich ihm vor und erwähnte, daß ich wußte, daß er das Vorwort zu Dugins Buch „Die vierte politische Theorie“ geschrieben hatte. Außerdem erzählte ich ihm, daß ich dasselbe Buch ins Rumänische übersetzt und das Vorwort dazu verfaßt hatte. Und so unterhielten wir uns den ganzen Tag lang. Wir tauschten unsere Kontaktdaten aus und vereinbarten, daß ich ihn in Paris besuchen würde. Er lud mich zur Vorstellung seines ins Russische übersetzten Buches „Understanding the Empire“ ein, die in drei Tagen in der „Dostojewski“-Bibliothek stattfinden sollte. Ich konnte die Einladung jedoch nicht annehmen, da ich für den nächsten Tag ein Rückflugticket nach Chișinău hatte.

(Fortsetzung folgt)

Iurie Roșca ist ein unabhängiger Journalist aus der Republik Moldau, ein antikommunistischer Dissident, ehemaliger Abgeordneter und stellvertretender Ministerpräsident, Redakteur, Übersetzer und Organisator der internationalen antiglobalistischen Denkfabrik Chișinău-Forum.