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PROFESSOR DUGINS AVATARE (3). Soft Power à la russe und die vom Kreml-Kraken kontrollierte Dissidenz


16. Januar 2014. Buchvorstellung von „Die vierte politische Theorie“.

https://www.privesc.eu/arhiva/19496/Lansarea-cartii-lui-Aleksandr-Dughin--A-Patra-teorie-politica--in-traducerea-lui-Iurie-Rosca.

Nach der Veranstaltung blieb derselbe verdächtige Mann ganz in Dugins Nähe, beobachtete jede seiner Bewegungen und hinderte uns daran, unter vier Augen zu sprechen. Erst an jenem Abend, am Flughafen, bat ich meinen Bruder Jacob, den lästigen Begleiter für ein paar Minuten abzulenken, damit ich dem sichtlich in Panik geratenen Professor ein paar Worte zuflüstern konnte. Ich sagte ihm kurz, er solle sich von diesem Mann fernhalten, aber auch nicht vergessen, herauszufinden, was mit seinem Betreuer Bovdunov los sei.

Nach der Reihe unangenehmer Vorfälle mit dem zwielichtigen Roman Răileanu versuchte ich, mehr über ihn herauszufinden. Derjenige, der ihn mir vorgestellt hatte, Victor Odolsky, erzählte mir nichts Relevantes und vermied jede Information, die auch nur im Entferntesten konkret war. Also wandte ich mich an einen Kollegen aus der Branche, einen erfahrenen russischsprachigen Journalisten, den ich seit Jahrzehnten kannte: Vladimir Novosadiuk. Er ist inzwischen verstorben, sodaß ich ihn durch die Veröffentlichung dieser Enthüllungen nicht mehr in Gefahr bringe. Zu dieser Zeit leitete er die russische Nachrichtenagentur „RIA Novosti“, aus der später „Sputnik-Moldova“ hervorging. Ich hatte erfahren, daß dieser Mann auch bei ihm ungebeten hereingestürmt war, sich als sehr wichtiger Sonderbeauftragter aus Moskau ausgegeben und einem der dienstältesten und erfahrensten Journalisten Moldawiens Anweisungen erteilt hatte.

Novosadiuk gestand mir, daß er über die Unverschämtheit dieser Person zutiefst empört war, aber nicht wußte, wer diese Person eigentlich war. Doch dann kam ihm plötzlich eine Idee. „Moment mal! Ich rufe sofort jemanden an und finde alles heraus. Bleib einfach ruhig — ich werde über die Freisprechanlage telefonieren.“ Und direkt vor meinen Augen wählte er die Handynummer eines ehemaligen Leiters des Geheimdienstes und Sicherheitsdienstes mit umfangreichen Verbindungen nach Moskau. Ich werde seinen Namen nicht nennen — er weiß warum. Hier ist das Gespräch:

― Hör mal, mein Lieber, wer ist dieser Roman Răileanu, der sich überall ungebeten einmischt, sich aufspielt, als wäre er der Chef, und Ideen hat, die entweder verrückt oder provokativ sind?

Nach einer angespannten Pause antwortete die Person am anderen Ende mit gedämpfter, verschwörerischer Stimme:

― Volodea, sei vorsichtig mit diesem Typen. Er infiltriert Projekte und untergräbt sie dann von innen heraus. Aber das ist nichts, was man am Telefon besprechen sollte. Ich erzähle dir mehr, wenn wir uns treffen.

Das ist alles, was ich über den rätselhaften Mann herausfinden konnte, der mich zunächst mit Dugin in Kontakt gebracht und dann alles getan hat, um diese Beziehung zu untergraben. Ich habe den Eindruck, daß diejenigen, die Dugin koordinierten, ihm eine ganz andere Rolle für Moldawien zugedacht hatten, aber ich habe ihren Plan gewissermaßen durchkreuzt, indem ich diese Beziehung in eine andere ideologische Richtung gelenkt habe als die, die vom Regime in Moskau gefördert wurde.

18.—23. Februar 2014. Der von den Amerikanern inszenierte Staatsstreich in Kiew. Dugin ist ein vehementer Kritiker dieser Einmischung der USA in der Ukraine.

6. Mai 2014. Nach den blutigen Ereignissen in Odessa, bei denen Dutzende Menschen ums Leben kamen, forderte Dugin in einem Moment emotionaler Erregung in einem Interview mit der Website anna-news.info, daß Ukrainer „getötet, getötet, getötet“ werden müßten. Infolge dieser Äußerungen wurde Dugin von der Staatlichen Universität Moskau entlassen, wo er als Lehrstuhlinhaber und Professor am Institut für Soziologie tätig war. Offensichtlich hatten liberale Kreise — und allen voran Putins Berater Wladislaw Surkow — auf den richtigen Moment gewartet, um mit Dugin abzurechnen, der zu lautstark geworden war und eine deutlich härtere Linie vertrat als der engste Kreis des Präsidenten.

Unmittelbar nach seiner Entlassung rief mich Dugin in einem Zustand völliger emotionaler Verzweiflung an. Er erzählte mir, daß er sich schrecklich fühle, daß er nicht mehr schreiben könne, daß er ins Krankenhaus gehen werde und daß ihn nichts mehr interessiere. Ich machte ihm so gut ich konnte Mut und sagte ihm, daß dieses antinationale und verräterische Regime, wenn es ihn schon von der Universität verwiesen habe, damit eigentlich seine Verdienste als Intellektueller mit einer festen patriotischen Haltung anerkenne — im Gegensatz zu den Verrätern im Kreml.

Kurz nach seiner Entlassung wurde Aleksandr Dugin vom Oligarchen Konstantin Malofeev eingeladen, die Rolle des Chefredakteurs des neuen Fernsehsenders „Tsargrad“ zu übernehmen. Wie die von Dugin angeführte eurasische Bewegung befindet sich auch das Studio dieses Fernsehsenders im Gebäude des Ministeriums für Telekommunikation, einem riesigen Bauwerk im Zentrum Moskaus. Zumindest war das der Fall, als ich dort war. Die beiden gingen eine Partnerschaft ein, die bis heute andauert. Ihre Rhetorik ist konservativ, radikal antiliberal und antiwestlich sowie durch und durch pro-Putin.

In der Zwischenzeit hatte ich Dugin vorgeschlagen, daß es nach ***„Die vierte politische Theorie***“ angebracht wäre, auch „Die Theorie der multipolaren Welt“ auf Rumänisch zu veröffentlichen, da ich dieses Werk als Ergänzung zum ersten betrachtete. Ich schlug jedoch vor, eine gekürzte Fassung zu veröffentlichen, da das Buch eigentlich den Inhalt eines zuvor erschienenen Lehrbuchs für Hochschulen mit dem Titel „Internationale Beziehungen“ umfaßte. Mich interessierte nur der Abschnitt, der sich mit der Konzeptualisierung der Multipolarität befaßte.

Damals erschien mir dies als ein vollkommen stichhaltiges Konzept — eine geopolitische Vision, die der Vorherrschaft des amerikanischen Imperiums und der internationalen Finanzwelt über die Länder der Welt ein Ende setzen würde. Ich betrachtete diese Theorie als echte Alternative zum unipolaren Globalismus. Ich wußte damals noch nichts davon, daß die wahren Architekten der Multipolarität finstere Gestalten wie Henry Kissinger sind, und mir war auch die Karte der zehn Makroregionen oder regionalen Blöcke auf globaler Ebene nicht bekannt, die 1974 von dem einflussreichen globalistischen Thinktank „Der Club of Rome“ (1968 von David Rockefeller gegründet) erstellt worden war.

Als Vorwand für diese umfassende Neuordnung der Welt beriefen sich Experten aus dem Umfeld der globalistischen Plutokratie auf die Mythen von Überbevölkerung, Umweltzerstörung und wirtschaftlicher Instabilität. Regionale Zusammenarbeit, globale Governance und nachhaltige Entwicklung waren die Schlüsselelemente dieser Strategie. Ich wußte damals noch nicht einmal etwas über die Ursprünge des geopolitischen Zusammenschlusses BRIC(S), der innerhalb einer der mächtigsten globalistischen Finanzinstitutionen der USA, der Goldman Sachs Group, Inc. — einer amerikanischen multinationalen Investmentbank und Finanzdienstleistungsgesellschaft — konzipiert worden war, wobei das Projekt von Baron Jim O'Neill entwickelt wurde. All dies erfuhr ich erst später, als mir bewußt wurde, daß die BRICS-Staaten tatsächlich darauf ausgelegt sind, die Neue Weltordnung auf globaler Ebene durchzusetzen.

Ich habe keine Ahnung, ob Professor Dugin sich der wahren Ursprünge der Multipolarität bewußt war, als er seine Abhandlung verfaßte. Auf jeden Fall unterscheidet sich seine Argumentation von der des oben erwähnten globalistischen Netzwerks. Professor Dugin konzentrierte sich darauf, den eurozentrischen Rassismus zurückzuweisen, der für sich beansprucht, die einzig überlegene Zivilisation zu sein, und plädierte stattdessen für einen Pluralismus der Zivilisationen und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen allen „großen Räumen“, die zivilisatorische, auf religiösen Grundlagen und einem gemeinsamen historischen Schicksal beruhende Identitäten bilden. Das in diesem Werk skizzierte Konzept wurde als Plattform des Widerstands gegen den alles auflösenden Globalismus, die Dominanz der internationalen Finanzwelt und die Aushöhlung der Souveränität präsentiert und plädierte für die Bewahrung aller Formen kollektiver Identität: religiöser, zivilisatorischer, ethnolinguistischer, kultureller und sexueller. Die Vision glich einer Symphonie der Nationen, einer Apotheose des Gleichgewichts zwischen mehreren regionalen Machtzentren. Die Theorie wirkte harmonisch und gut durchdacht.

Ich gebe zu, daß Dugin, als er sein Werk verfaßte, in dem er sich für Multipolarität einsetzte, möglicherweise von den edelsten Absichten geleitet wurde. Ich kann jedoch keine ehrenhafte Erklärung dafür finden, warum eine Persönlichkeit von solch akademischem Rang wie dieser Moskauer Professor, nachdem die Widersprüchlichkeit der Multipolarität eklatant offensichtlich geworden war, weiterhin für eine Sache eintritt, die eindeutig fehlerhaft ist. Es bleibt dem Leser überlassen, zu entscheiden, ob Professor Dugin von Anfang an Teil einer groß angelegten Operation zur Manipulation der öffentlichen Meinung auf globaler Ebene war oder ob er aus Angst vor der Unterdrückungsmaschinerie des Putin-Regimes den Globalisten einfach in die Hände spielt.

Ich habe meine Arbeit akribisch erledigt: Ich habe übersetzt, das Vorwort verfaßt, das Buch auf Russisch und Rumänisch lektoriert und es für das Publikum in Moldawien und Rumänien vorgestellt. Ich bestand darauf, daß der Autor bei der Buchvorstellung anwesend sein sollte, doch Dugin zog es vor, in Moskau zu bleiben und per Skype an der Veranstaltung teilzunehmen.

25. Juli 2014. Buchvorstellung „Die Theorie der multipolaren Welt“.

Siehe die untenstehenden Links zu dieser Veranstaltung.

https://www.privesc.eu/

https://www.youtube.com/watch?v=DrHrWlpLzZE

https://www.4pt.su/ro/content/teoria-lumii-multipolare

https://ava.md/ru/

https://noi.md/md/news_id/44649.

(Fortsetzung folgt)

Iurie Roșca ist ein unabhängiger Journalist aus der Republik Moldau, ein antikommunistischer Dissident, ehemaliger Abgeordneter und stellvertretender Ministerpräsident, Redakteur, Übersetzer und Organisator der internationalen antiglobalistischen Denkfabrik Chișinău-Forum.